Hier möchte ich einige Autor+innen empfehlen, deren Werke ich persönlich schätze und deren Schaffen mich (mehr oder minder) beeinflusst hat. Naheliegenderweise geht es dabei vor allem (aber nicht nur) um Kurzgeschichten - beziehungsweise Short Stories. Denn unter den Kurzgeschichten-Autor+innen sind fast ausschließlich englischsprachige Schriftsteller+innen.
Literaturtipps
Die Werke von E.T.A. Hoffmann nehmen seit langem einen Ehrenplatz in meinem Bücherschrank ein. Er war nicht nur in vielen Kunst-'Sparten' tätig (Musiker, Zeichner, Autor), sondern auch in seinen Schriften sehr vielseitig: Das reicht vom humoristischen Kunstmärchen (»Der goldene Topf«) über historische Skizzen (»Ritter Gluck«) zu Texten, die man heute als Horror bezeichnen würde (»Der Sandmann«). Vor allem seine unheimlichen Erzählungen haben ihn berühmt gemacht. Dabei arbeitet er freilich immer mit feiner Ironie, deren Objekt zuallererst er selbst ist. Noch immer nicht genügend gewürdigt wird dabei meines Erachtens seine Erzähl-Ökonomie und seine Rafinesse in der Erzähltechniken. Ja, seine Bücher können dick aussehen, bestehen aber zumeist aus Sammlungen kürzerer Texte, oft zusammengehalten von Rahmenhandlungen nach dem Muster von »1001 Nacht«.
Rudyard Kipling ist heute wohl ein recht umstrittener Autor, insbesondere aufgrund seiner Themen, die im Zusammenhang mit dem britischen Imperialismus stehen. Er stand den eigenen Regierungen freilich stets kritisch gegenüber; nicht zuletzt deswegen wurde er nie geadelt.
Vor allem aber ist Kipling der mutmaßlich beste Kurzgeschichten-Autor überhaupt; schließlich besteht auch sein berühmtes »Dschungelbuch« aus einzelnen Kurzgeschichten (und Gedichten). Er ist bis heute der jüngste Träger des Literatur-Nobelpreises. Auch sein Roman »Kim« ist bis heute lesenswert.
Mithu Sanyal gehört meinem Eindruck nach zu den wenigen Lichtblicken unter den deutschsprachigen Schriftsteller+innen der Gegenwart. Ihre (bisher) zwei Romane (»Identitti« & »Antichristie«) sind einerseits recht umfangreich und beschäftigen sich mit Themen, die heute oft als ›woke‹ desavouiert werden. Andererseits sind sie sorgfältig konstruiert, sprachlich originell, ohne prätentiös zu sein, und lehrreich, ohne belehrend zu sein. Ihre Charaktere sind differenziert gezeichnet, glaubwürdig und interessant. Man merkt, dass sie ihre Figuren liebt und sie ihr nicht nur zum Abwatschen dienen.
© Heinrich-Böll-Stiftung
Warum Umberto Eco nie den Literaturnobelpreis erhalten hat, ist mir ein Rätsel. Verdient hätte er ihn allein schon für »Der Name der Rose«. Auch seine späteren Bücher sind stets klug geschrieben, mehrreich und unterhaltsam zugleich. Seine Vielseitigkeit, sein Engagement erkennt man aber wohl am stärksten in seinen essayistischen Texten.
© Ufficio Stampa Università Mediterranea di Reggio Calabria
»I have huge respect for short stories—I just find them much harder to get right than a novel. A novel is a lot baggier and it gives you more leeway to go on for too long or to make mistakes. Whereas in a short story, every sentence, every word, matters—and that’s very hard. I think it’s easier to write too much than it is to write exactly the right thing.«